• Heli Deinboek Blogbuster

Schwerster Job der Welt


In Gottes Team hat Agi, die Ausgleichende Gerechtigkeit, eindeutig den schwersten Job der Welt.


Sie kann den Dekadenten der Ersten Welt, sei es in Europa, Amerika, mittlerweile auch in China, leider so gut wie nichts mehr nehmen. Denn bei aller Armut, sogar mitten in Dekadentia, haben auch viele Arbeitslose immer noch Geschirrspüler und oft sogar zwei Fernseher. Nimmst du einen, wartet schon der noch günstigere auf willhaben. Und wie und wozu sollte man ausgerechnet komplexe „Dinge“ in die ausgebeutete Dritte Welt schicken, die für eine SONY Playstation selten wo eine Steckdose fände?

Also hat sich Agi auf abstrakter „Nehmbares“ spezialisiert. Am liebsten nimmt sie den Nord-Profiteuren Nervenkraft, Selbstbewusstsein und Lebensmut, von denen anderswo sogar viele vertriebene indigene Völker noch recht erfolgreich zehren.

Mit einer sinnvollen Umverteilung hat Agi trotzdem Probleme, denn aus dem depressiven Suizid in Grinzing wächst noch lange kein äthiopischer Weizen. Trotzdem tut Agi wirklich alles, um den Privilegierteren wenigstens irgendwas zu nehmen, wenn sie schon die unverwüstlich beschichteten Spezialpfannen aus ihren Gourmet-Küchen nicht hergeben wollen.

Sie kann sogar nehmen, indem sie vordergründig noch großzügig gibt und „spendet“! Am liebsten spendet sie Cortisol, Noadrenalin und andere Stresshormone aus der Nebennierenrinde. Sie spendet auch hoffnungslose Langeweile, Knochenbrüche bei absurden Sportarten, versehentliches Abbrennen in modernen E-Cars, Verdursten bei Gaming Wettbewerben, burgergeschwängerte Adipositas und sinnlose Diätkuren.

Reichlich geben, um indirekt auch den Verwöhnten der Welt zu nehmen: eine eigenartige Strategie der Umverteilung, aber Agis Chef fällt zur Reparatur seiner schwer reformbedürftigen Schöpfung momentan nicht viel anderes ein. Er staunt zwar über das kreative Verteilungsgenie seiner engagierten Gerechtigkeitsfanatikerin - Hunger und Frieren in Flüchtlingscamps sind damit halt noch nicht aus seiner etwas unförmig gestalteten Welt.


Was dem bemühten Team bleibt, ist nur die Gewissheit, dass oft sogar die reichsten Börsenspekulanten aus Wolkenkratzerfenstern gesprungen sind. Mit einem Strasserl Koks nicht - nur mit einer Handvoll Reis hätten sie vielleicht überlebt.

Die leeren Mägen der Dritten Welt mit variantenreichen Depressionen in den Köpfen der Ersten zu füllen: Mehr weltweite Verteilungsgerechtigkeit ist momentan wohl nicht drin.